Polen bleibt beim Złoty: Finanzminister sieht wirtschaftliche Argumente gegen den Euro
Warschau bremst: Kein Eurobeitritt in absehbarer Zeit
Polen gehört zu den EU-Mitgliedstaaten, die vertraglich zur späteren Euro-Einführung verpflichtet sind – einen festen Termin hat Warschau jedoch nicht festgelegt, und die aktuelle Regierung zeigt wenig Eile. Finanzminister Andrzej Domański hat laut Berichten erklärt, er sehe wachsende wirtschaftliche Argumente dafür, vorerst beim Złoty zu bleiben.
Als zentrales Argument gilt die geldpolitische Flexibilität: Die Polnische Notenbank (NBP) kann unabhängig auf nationale Konjunkturlagen reagieren, während die EZB eine Geldpolitik für sehr unterschiedliche Volkswirtschaften betreiben muss. Gerade in der Inflationsphase nach der Pandemie und im Zuge der Energiepreisschocks habe sich diese Flexibilität nach Einschätzung polnischer Ökonomen als Vorteil erwiesen.
Öffentliche Meinung und Konvergenzlücken
Hinzu kommt die Stimmung in der Bevölkerung: Laut Umfragen lehnt eine klare Mehrheit der Polinnen und Polen die Euro-Einführung ab. Domański räumt ein, dass die öffentliche Meinung zwar nicht der entscheidende Faktor sei – sie erschwere aber die politische Umsetzbarkeit zusätzlich.
Der EZB-Konvergenzbericht vom Juni 2026 bestätigt, dass Polen die Konvergenzkriterien derzeit nicht erfüllt. Auch ein Beitritt zum Wechselkursmechanismus II (WKM II), der obligatorische Zwischenschritt vor der Euro-Einführung, ist nicht geplant.
Rechtliche Pflicht bleibt bestehen
Die fehlende politische Priorität ändert nichts an Polens vertraglicher Verpflichtung: Als EU-Mitglied ohne Opt-out-Klausel muss Polen den Euro einführen, sobald es die Kriterien erfüllt und die politische Entscheidung getroffen wird. Wann das sein könnte, lässt die Regierung in Warschau offen. Beobachter gehen derzeit nicht von einem Eurobeitritt vor dem Ende des Jahrzehnts aus.
Hinweis: Dies ist ein nicht-amtliches Informationsportal. Aussagen zum Zeitplan beruhen auf Angaben polnischer Regierungsvertreter.
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