Zehn Jahre Brexit: Wie die britische Bilanz auf die Erweiterung blickt
Am 23. Juni 2026 jährte sich das britische EU-Referendum zum zehnten Mal. Die Stimmung hat sich gedreht: Umfragen zum Jahrestag zeigen einen Rekordwert an Reue – ein Kontrast zu jenen Ländern, die gerade in die EU und perspektivisch in den Euro streben.
Was die Umfragen zeigen
Laut Erhebungen zum Jahrestag halten rund 57 Prozent der Befragten den Austritt inzwischen für falsch – der höchste je gemessene Wert. Das Institut YouGov prägte dafür den Begriff „Bregret”, aus Brexit und regret. Etwa 63 Prozent bewerten den Brexit als Misserfolg, nur eine Minderheit als Erfolg. Besonders deutlich ist das Bild bei den 18- bis 24-Jährigen: Drei Viertel halten den Schritt für falsch.
Diese Werte sind als Momentaufnahmen der öffentlichen Meinung zu verstehen, nicht als amtliche Bewertung. Ein neues Beitrittsverfahren steht in Großbritannien politisch derzeit nicht auf der Tagesordnung.
Die wirtschaftliche Gegenrechnung
Auch ökonomisch fällt die Bilanz kritisch aus. Eine Analyse des US-Forschungsinstituts NBER kam Ende 2025 zu dem Schluss, die britische Wirtschaft sei rund 6 bis 8 Prozent kleiner, als sie ohne den Austritt gewesen wäre. Genaue Werte solcher Modellrechnungen bleiben umstritten, die Richtung ist in vielen Studien aber ähnlich.
Warum das für Beitrittsländer relevant ist
Für die Länder, die wir hier begleiten, ist der britische Fall eine Art Gegenprobe: Während Großbritannien zehn Jahre nach dem Austritt über die Kosten diskutiert, eröffnen die Ukraine und Moldau Verhandlungskapitel und hat Bulgarien gerade den Euro eingeführt. Der Austritt eines Mitglieds und der Beitritt neuer Staaten sind die zwei Seiten derselben Frage – wie viel Integration sich lohnt.
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