Eurozone · 26. Juni 2026 · Redaktion

Ein halbes Jahr Euro in Bulgarien: keine Preisspirale, wachsende Zustimmung

Flagge Bulgariens

Seit dem 1. Januar 2026 zahlt Bulgarien mit dem Euro, seit dem 1. Februar ist der Lew kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr. Ein halbes Jahr später fällt die erste Bilanz nüchtern aus: Eine breite, umstellungsbedingte Preisspirale ist ausgeblieben – die Wahrnehmung in der Bevölkerung ist aber differenzierter.

Was die Daten zeigen

In ihrem Bericht zu „100 Tagen Euro” sah die EZB Anfang April keine Hinweise auf eine durch die Umstellung ausgelöste Preisspirale. Der rechnerische Effekt des Währungswechsels war gering: Im Januar lagen die Preise rund 0,6 Prozent höher als im Dezember – für einen Januar ungewöhnlich viel, gemessen am Gesamtbild aber moderat. Einzelhändler hielten sich überwiegend an den festen Umrechnungskurs von 1,95583 Lew je Euro und die gesetzlichen Rundungsregeln; spürbare Aufrundungen blieben die Ausnahme.

Die allgemeine Inflation entwickelte sich davon unabhängig: nach 2,1 Prozent im Februar zogen die Jahresraten im Frühjahr deutlich an. Diese Bewegung geht jedoch überwiegend auf Energie- und andere Faktoren zurück, nicht auf den Währungswechsel.

Gefühlt teurer als gemessen

Wie schon bei früheren Euro-Einführungen liegt die gefühlte Teuerung über der statistisch gemessenen – weil häufig gekaufte Waren stärker ins Gewicht fallen. Hinzu kommt: Manche Händler hatten ihre Preise bereits vor der Einführung angehoben, als der Beitritt feststand. Trotzdem ist die Zustimmung gewachsen: Im Februar 2026 befürworteten 54 Prozent der Bulgarinnen und Bulgaren den Euro – mehr als vor der Einführung.

Einordnung

Damit bestätigt Bulgarien das Muster der jüngeren Beitritte: Die größten Effekte liegen in der Wahrnehmung, nicht in den Statistiken. Wie es zu den Konvergenzkriterien und über den Wechselkursmechanismus II zum Euro kam, lesen Sie in unserem Bericht zur Euro-Einführung. Mehr zum Land auf unserer Länderseite zu Bulgarien.

Redaktioneller Beitrag der Richter & Dyballa Verlagsgesellschaft · Mehr zu unserer Arbeitsweise: Über uns.

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