Flagge Serbien

Serbien und der Euro

Beitrittskandidat

Stand Oktober 2026: Serbiens EU-Beitrittsverhandlungen stehen seit Dezember 2021 praktisch still – zuletzt wurden keine neuen Kapitel mehr eröffnet. Die Europäische Kommission empfahl im Juli 2026 die Öffnung von Cluster 3, acht EU-Mitgliedstaaten blockierten dies jedoch aus Sorge um Rechtsstaatlichkeit und Außenpolitik. Überlagert wird der Beitrittsprozess derzeit von einer innenpolitischen Krise: Präsident Aleksandar Vučić trat am 27. September 2026 zurück, um bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 25. Oktober 2026 als Ministerpräsident zu kandidieren. Bezahlt wird in Serbien weiterhin mit dem Dinar, eine Euro-Einführung bleibt an den noch ausstehenden EU-Beitritt gekoppelt.

Serbien ist seit 2012 EU-Beitrittskandidat; die formellen Beitrittsverhandlungen laufen seit 2014. Das Land gehört zum Westbalkan und ist damit Teil des Stabilisierungs- und Assoziierungsprozesses der EU.

Beitrittsverhandlungen

Von 35 Verhandlungskapiteln sind 22 eröffnet, zwei davon – Wissenschaft und Forschung sowie Bildung und Kultur – bereits vorläufig geschlossen. Seit der letzten Kapiteleröffnung im Dezember 2021 kommt der Prozess nicht mehr voran. Technisch erfüllt Serbien die Bedingungen für die Öffnung von Cluster 3 (Wettbewerbsfähigkeit und inklusives Wachstum) schon seit Jahren; politisch fehlt dafür unter den Mitgliedstaaten der Konsens. Die EU knüpft weiteren Fortschritt an drei Bedingungen: eine spürbare Verbesserung der Rechtsstaatlichkeit und Justizunabhängigkeit, eine Annäherung an die EU-Außenpolitik (insbesondere die Russland-Sanktionen, denen Serbien bislang nicht beigetreten ist) sowie Fortschritte im Dialog mit Kosovo. Das Verhältnis zu Kosovo – dessen Unabhängigkeit Serbien nicht anerkennt – bleibt der politisch heikelste Punkt im gesamten Prozess.

Und der Euro?

Eine Euro-Einführung ist für Serbien eine fernere Perspektive. Zunächst steht der EU-Beitritt selbst im Vordergrund; erst danach greifen die regulären Voraussetzungen: die Erfüllung der Konvergenzkriterien und eine mehrjährige Teilnahme am Wechselkursmechanismus II. Die Landeswährung ist der Serbische Dinar.

Einordnung

Serbien ist wirtschaftlich eng mit der EU verflochten, die weiterhin der wichtigste Handelspartner bleibt. Gleichzeitig pflegt Belgrad enge Beziehungen zu Russland und China, was die Glaubwürdigkeit der EU-Annäherung in Brüssel regelmäßig in Frage stellt. Seit Ende 2024 kommt eine innenpolitische Dimension hinzu: Fast zwei Jahre anhaltende Proteste haben die Regierung so stark unter Druck gesetzt, dass Vučić 2026 vorgezogene Wahlen ansetzte. Ob und wie sich das auf den ohnehin stockenden Beitrittsprozess auswirkt, ist derzeit offen.

Serbiens Weg in die EU im Detail

Erste Annäherung und ein ausgesetztes Abkommen (2005–2008)

Im April 2005 stellte die EU Serbien – damals noch als Teil der Staatenunion mit Montenegro – einen Beitritt in Aussicht, im Herbst desselben Jahres begannen Gespräche über ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA). Die EU knüpfte die Verhandlungen an eine uneingeschränkte Zusammenarbeit mit dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) – insbesondere an die Festnahme gesuchter Kriegsverbrecher. Weil diese Zusammenarbeit aus Brüsseler Sicht ungenügend war, setzte die EU die Verhandlungen im Mai 2006 aus.

Nach einem im Juli 2006 veröffentlichten Aktionsplan und dem Amtsantritt von Präsident Boris Tadić nahm die EU die Gespräche am 13. Juni 2007 wieder auf. Die Paraphierung des SAA folgte am 7. November 2007, die Unterzeichnung am 29. April 2008 – nach Rücknahme zunächst erhobener Vetos der Niederlande und Belgiens. Die EU knüpfte die im Vertrag zugesagten Unterstützungsleistungen weiterhin an die vollständige Zusammenarbeit mit dem ICTY. Außenminister Vuk Jeremić versicherte damals, seine Regierung tue alles, um den gesuchten General Ratko Mladić zu fassen.

Kandidatenstatus und Verhandlungsbeginn (2009–2014)

Serbien reichte seinen Mitgliedsantrag am 22. Dezember 2009 ein. Die EU gewährte den Kandidatenstatus am 1. März 2012, das SAA trat am 1. September 2013 vollständig in Kraft. Die erste Regierungskonferenz und damit der formale Beginn der Beitrittsverhandlungen fand am 21. Januar 2014 statt.

Kapitelöffnungen nach neuem Muster (2015–2021)

Die EU eröffnete die ersten beiden Rechtsstaats-Kapitel – 23 (Justiz und Grundrechte) und 24 (Justiz, Freiheit und Sicherheit) – im Juli 2016 bewusst früh. Diese „neue Herangehensweise“ soll verhindern, dass Reformen bei Justiz und Grundrechten erst am Ende der Verhandlungen angegangen werden, wie es bei früheren Beitrittsrunden häufig der Fall war; stattdessen begleiten die beiden Kapitel den gesamten Prozess bis zu ihrem eigenen Abschluss. Zuvor waren im Dezember 2015 bereits die Kapitel 32 (Finanzielle Kontrolle) und 35 (unter anderem Normalisierung der Beziehungen zu Kosovo) geöffnet worden. Es folgten Dezember 2016 die Kapitel 5 und 25 (25 wurde zugleich vorläufig geschlossen) sowie Februar 2017 die Kapitel 20 und 26 (26 ebenfalls sofort geschlossen). Die letzte Kapiteleröffnung liegt im Dezember 2021: Damals kamen die Kapitel 14, 15, 21 und 27 hinzu. Seither hat die EU kein weiteres Kapitel mit Serbien geöffnet.

Der Stillstand: Rechtsstaat, Kosovo, Russland

Seit 2021 hängt der Prozess an Cluster 3 (Wettbewerbsfähigkeit und inklusives Wachstum). Serbien erfüllt nach Einschätzung der Kommission die technischen Voraussetzungen für dessen Öffnung seit Jahren, eine ausreichende Zahl an Mitgliedstaaten stimmt der Öffnung aber nicht zu. Im Juli 2026 empfahl die Kommission erneut, Cluster 3 zu öffnen – acht Regierungen blockierten dies weiterhin unter Verweis auf unzureichende Rechtsstaatsreformen und die fehlende Angleichung Serbiens an die EU-Sanktionen gegenüber Russland. Als zweiter struktureller Blockadepunkt gilt der ungelöste Dialog mit Kosovo, dessen Unabhängigkeit Belgrad bis heute nicht anerkennt. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen machte wiederholt deutlich, dass aus ihrer Sicht vor allem die innenpolitische Entwicklung in Serbien – demokratische Rückschritte eingeschlossen – den Beitrittsprozess bremst, nicht fehlender technischer Fortschritt.

Die politische Krise 2024 bis 2026

Der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad am 1. November 2024, bei dem 16 Menschen starben, löste eine studentisch getragene Protestbewegung gegen Korruption und mangelnde Transparenz aus, die bis in den Herbst 2026 anhielt. Ministerpräsident Miloš Vučević trat im Januar 2025 unter dem Druck der Proteste zurück. Am 27. September 2026 reichte schließlich auch Präsident Vučić – gut acht Monate vor dem Ende seiner zweiten, laut Verfassung letzten Amtszeit – seinen Rücktritt ein, offenkundig mit dem Ziel, bei der von ihm selbst ausgerufenen vorgezogenen Parlamentswahl am 25. Oktober 2026 als Ministerpräsident anzutreten. Bis zur Wahl eines Nachfolgers führt Parlamentspräsidentin Ana Brnabić die Amtsgeschäfte als Staatsoberhaupt. Eine Präsidentschaftswahl muss der serbischen Verfassung zufolge spätestens 90 Tage nach Einreichung des Rücktritts stattfinden. Welche Regierung danach die Beitrittsverhandlungen fortführt, war Anfang Oktober 2026 noch offen.

Zeitleiste

  • April 2005: EU stellt Serbien einen Beitritt in Aussicht, erste SAA-Gespräche.
  • Mai 2006: EU setzt die Verhandlungen wegen mangelnder ICTY-Kooperation aus.
  • 29. April 2008: Unterzeichnung des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens.
  • 22. Dezember 2009: Serbien stellt den EU-Mitgliedsantrag.
  • 1. März 2012: Serbien erhält den Kandidatenstatus.
  • 1. September 2013: Das SAA tritt vollständig in Kraft.
  • 21. Januar 2014: Beginn der Beitrittsverhandlungen.
  • Juli 2016: Die Rechtsstaats-Kapitel 23 und 24 werden eröffnet.
  • Dezember 2021: Letzte Kapiteleröffnung (14, 15, 21, 27); 22 von 35 Kapiteln offen.
  • 1. November 2024: Bahnhofsunglück in Novi Sad, Beginn landesweiter Proteste.
  • Januar 2025: Ministerpräsident Miloš Vučević tritt zurück.
  • Juli 2026: Kommission empfiehlt Öffnung von Cluster 3, acht Staaten blockieren.
  • 27. September 2026: Präsident Vučić tritt zurück, Ana Brnabić übernimmt interimistisch.
  • 25. Oktober 2026: Vorgezogene Parlamentswahl.

Quellen

Künftige Euromünzen

Zur konkreten Gestaltung künftiger Euromünzen dieses Landes ist bislang nichts bekannt – die nationalen Münzmotive werden erst im Zuge eines Euro-Beitritts festgelegt.

Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns

Häufige Fragen zu Serbien und dem Euro

Hat Serbien den Euro?

Nein. Serbien hat den Euro bisher nicht eingeführt. Die aktuelle Währung ist Serbischer Dinar.

Welche Währung hat Serbien?

Die offizielle Währung von Serbien ist Serbischer Dinar.

Ist Serbien in der EU?

Serbien ist offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.

Wann kann Serbien den Euro einführen?

Eine Euro-Einführung setzt zunächst die EU-Mitgliedschaft voraus. Serbien müsste anschließend die Konvergenzkriterien erfüllen und mindestens zwei Jahre am Wechselkursmechanismus II teilnehmen.