Stand Oktober 2026: Die Ukraine verhandelt seit Juni 2024 über den EU-Beitritt und hat inzwischen zwei von sechs Themen-Clustern formell eröffnet – zuletzt im Juli 2026 den Cluster Außenbeziehungen. Die lange ungarische Blockade des ersten Clusters fiel im Juni 2026 nach einem Regierungswechsel in Budapest, doch Ungarn hält an seinem Veto gegen zwei weitere Cluster fest. Einen Euro-Beitrittstermin gibt es nicht: Er setzt zunächst die EU-Mitgliedschaft voraus, die unter den Bedingungen des andauernden Kriegs nicht vor Ende des Jahrzehnts absehbar ist.
Die Ukraine hat in wenigen Jahren einen außergewöhnlich schnellen Weg in Richtung Europäische Union zurückgelegt. Wenige Tage nach Beginn des russischen Angriffskriegs stellte das Land im Februar 2022 den Beitrittsantrag; bereits im Juni 2022 erhielt es den Status eines Beitrittskandidaten.
Beitrittsverhandlungen
Im Dezember 2023 empfahl die Europäische Kommission die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen, die formell am 25. Juni 2024 mit der ersten Regierungskonferenz eröffnet wurden. Im Oktober 2025 schloss die Ukraine den Screening-Prozess ab, in dem das nationale Recht mit dem EU-Rechtsbestand abgeglichen wird. Die Eröffnung des ersten Verhandlungsclusters (Grundlagen: Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte) war lange durch ein ungarisches Veto blockiert – nach dem Regierungswechsel in Budapest hob Ungarn dieses im Juni 2026 auf, sodass der Cluster am 15. Juni 2026 eröffnet werden konnte. Im Juli 2026 folgte der Cluster Außenbeziehungen; vier weitere Cluster bleiben vorerst geschlossen, zwei davon durch ein fortbestehendes ungarisches Veto.
Der Beitrittsprozess findet unter den extrem schwierigen Bedingungen des andauernden Kriegs statt. Wiederaufbau, Korruptionsbekämpfung und Justizreformen gelten als zentrale Bewährungsfelder.
Und der Euro?
Eine Euro-Einführung steht für die Ukraine noch nicht zur Debatte. Sie setzt zunächst die EU-Mitgliedschaft voraus und anschließend die Erfüllung der Konvergenzkriterien sowie eine mehrjährige Teilnahme am Wechselkursmechanismus II. Die Landeswährung bleibt damit auf absehbare Zeit die Hrywnja.
Einordnung
Gemeinsam mit Moldau bildet die Ukraine die „neue“ Erweiterungsdynamik der EU jenseits des Westbalkans. Ein konkretes Beitrittsdatum gibt es nicht; die Ukraine selbst strebt einen vorläufigen Abschluss der Sachverhandlungen bis Ende 2028 an, was die EU-Kommission für ambitioniert, aber nicht unmöglich hält.
Der Weg der Ukraine in die EU im Detail
Von Maidan zum Assoziierungsabkommen (2013–2017)
Die heutige EU-Annäherung der Ukraine beginnt lange vor dem Krieg von 2022. Als Präsident Wiktor Janukowytsch im November 2013 die Unterzeichnung eines EU-Assoziierungsabkommens auf Druck Moskaus kurzfristig absagte, lösten die folgenden Maidan-Proteste seinen Sturz im Februar 2014 aus. Russland annektierte daraufhin die Krim und unterstützte bewaffnete Separatisten im Donbass. Die neue ukrainische Führung unterzeichnete das Assoziierungsabkommen samt vertiefter Freihandelszone (DCFTA) 2014; es trat nach Ratifizierung durch alle EU-Staaten im September 2017 vollständig in Kraft. Dieses Abkommen regelte wirtschaftliche Integration und Rechtsangleichung in zahlreichen Bereichen, war aber ausdrücklich kein Beitrittsversprechen – die EU behandelte die Ukraine bis 2022 als Nachbarschaftsland, nicht als Beitrittskandidatin.
Angriffskrieg und beschleunigter Antrag (Februar–Juni 2022)
Vier Tage nach Beginn der russischen Großinvasion unterzeichnete Präsident Wolodymyr Selenskyj am 28. Februar 2022 den Antrag auf EU-Mitgliedschaft und bat um ein beschleunigtes Verfahren. Die Europäische Kommission empfahl bereits am 17. Juni 2022 die Zuerkennung des Kandidatenstatus; der Europäische Rat folgte sechs Tage später, am 23. Juni 2022 – zusammen mit Moldau und in einem Tempo, das frühere Beitrittsprozesse deutlich unterbot.
Verhandlungsbeginn trotz Krieg (2023–2024)
Im Dezember 2023 empfahl die Kommission die Eröffnung von Beitrittsverhandlungen, der Europäische Rat beschloss dies am 14./15. Dezember 2023 in dieser Sitzung. Der Rat genehmigte am 21. Juni 2024 den Verhandlungsrahmen nach der überarbeiteten Erweiterungsmethodik, vier Tage später, am 25. Juni 2024, fand in Luxemburg die erste Regierungskonferenz mit der Ukraine statt – die formale Eröffnung der Verhandlungen, noch bevor der eigentliche Screening-Prozess begonnen hatte. Auf ukrainischer Seite leitete Vizepremierministerin Olha Stefanischyna die Delegation, auf EU-Seite die damalige belgische Ratspräsidentschaft. Der Screening-Prozess, in dem Kapitel für Kapitel mit dem EU-Rechtsbestand abgeglichen wird, zog sich bis zum 2. Oktober 2025 hin – parallel zu anhaltenden russischen Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur und einer Haushaltslage, die die Ukraine zunehmend von EU-Krediten und -Zuschüssen abhängig machte.
Das ungarische Veto und sein Ende (2024–2026)
Trotz abgeschlossenen Screenings blieb die formelle Eröffnung des ersten Verhandlungsclusters blockiert: Der damalige ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán verweigerte die für EU-Erweiterungsschritte nötige Einstimmigkeit rund zwei Jahre lang, unter anderem mit Verweis auf die Lage der ungarischen Minderheit in der Westukraine (Region Transkarpatien) und auf ungelöste Handelsfragen. Erst der Regierungswechsel in Budapest änderte die Lage – im Juni 2026 erklärte der neue Ministerpräsident Péter Magyar, mit der Ukraine eine Verständigung über die Minderheitenrechte erzielt zu haben, und hob das Veto auf. Am 15. Juni 2026 öffneten die EU und die Ukraine daraufhin den ersten Cluster „Grundlagen“ (Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte, Justiz), am 14. Juli 2026 folgte Cluster 6 „Außenbeziehungen“ mit den Kapiteln Außenhandelspolitik sowie Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Für die restlichen vier Cluster – Binnenmarkt, Wettbewerbsfähigkeit, Grüne Agenda sowie Ressourcen und Landwirtschaft – kündigte Magyar an, einem beschleunigten Verfahren weiterhin nicht zuzustimmen; ihre Eröffnung blieb deshalb auch im Herbst 2026 auf den Spätherbst vertagt, zum Teil durch ein fortbestehendes ungarisches Veto.
Und der Euro: eine Frage für die Zeit nach dem Beitritt
Eine eigene Euro-Debatte führt die Ukraine nicht. Die Nationalbank der Ukraine hält den Wechselkurs der Hrywnja seit Kriegsbeginn in einem von ihr selbst so bezeichneten Regime „gesteuerter Flexibilität“, um die Währung trotz Kriegswirtschaft, hoher Energieimporte und wiederholter russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur stabil zu halten. Finanziell stützt die EU das Land bereits jetzt eng ein – unter anderem über einen mehrjährigen Ukraine Support Loan, den der Europäische Rat im Dezember 2025 gebilligt hat. Eine formelle Euro-Einführung würde dagegen ohnehin erst nach EU-Beitritt, Erfüllung der Konvergenzkriterien und mehrjähriger Teilnahme am Wechselkursmechanismus II in Frage kommen – ein Zeithorizont, der nach aktuellem Verhandlungstempo weit in den 2030er-Jahren läge.
Zeitleiste
- November 2013: Janukowytsch sagt die Unterzeichnung des EU-Assoziierungsabkommens ab, Maidan-Proteste beginnen.
- 2014: Unterzeichnung des EU-Assoziierungsabkommens samt DCFTA; Russland annektiert die Krim.
- September 2017: Das Assoziierungsabkommen tritt vollständig in Kraft.
- 28. Februar 2022: Präsident Selenskyj unterzeichnet den EU-Beitrittsantrag.
- 23. Juni 2022: Der Europäische Rat gewährt der Ukraine den Kandidatenstatus.
- Dezember 2023: Der Europäische Rat beschließt die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen.
- 25. Juni 2024: Erste Regierungskonferenz, formale Eröffnung der Beitrittsverhandlungen.
- 2. Oktober 2025: Abschluss des Screening-Prozesses für alle Verhandlungskapitel.
- Juni 2026: Ungarns neue Regierung unter Péter Magyar hebt das Veto gegen Cluster 1 auf.
- 15. Juni 2026: Eröffnung des ersten Verhandlungsclusters „Grundlagen“.
- 14. Juli 2026: Eröffnung von Cluster 6 „Außenbeziehungen“.
- Stand Oktober 2026: Vier Cluster bleiben geschlossen, zwei davon durch ein fortbestehendes ungarisches Veto.
Quellen
- Rat der EU: EU opens accession negotiations with Ukraine (Pressemitteilung, 25.06.2024)
- Rat der EU: Enlargement – EU opens accession negotiations with Ukraine on external relations policies (14.07.2026)
- Euronews: Exclusive – Inside the deal that lifted Hungary’s veto on Ukraine’s EU accession
- Kyiv Independent: Ukraine completes legislation screening with EU in key step toward accession
- Europäische Kommission: Ukraine’s path towards EU accession
Künftige Euromünzen
Zur konkreten Gestaltung künftiger Euromünzen dieses Landes ist bislang nichts bekannt – die nationalen Münzmotive werden erst im Zuge eines Euro-Beitritts festgelegt.
Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns
Häufige Fragen zu Ukraine und dem Euro
Hat Ukraine den Euro?
Nein. Ukraine hat den Euro bisher nicht eingeführt. Die aktuelle Währung ist Hrywnja.
Welche Währung hat Ukraine?
Die offizielle Währung von Ukraine ist Hrywnja.
Ist Ukraine in der EU?
Ukraine ist offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.
Wann kann Ukraine den Euro einführen?
Eine Euro-Einführung setzt zunächst die EU-Mitgliedschaft voraus. Ukraine müsste anschließend die Konvergenzkriterien erfüllen und mindestens zwei Jahre am Wechselkursmechanismus II teilnehmen.