Stand Oktober 2026: Zwei der sechs EU-Verhandlungscluster sind für Moldau offen, zuletzt seit Juli 2026 der Cluster Außenbeziehungen – weil der Rat Moldaus Tempo eng an das der Ukraine koppelt, bremst Ungarns Blockadehaltung dort auch Chișinăus eigenen Prozess. Die Regierung hält trotzdem öffentlich am selbst gesetzten Zieljahr 2028 für den EU-Beitritt fest. Den Euro führt das Land erst danach ein; bis dahin bleibt der Moldauische Leu die Landeswährung. Innenpolitisch hat sich die pro-europäische Ausrichtung 2024 und 2025 mehrfach bei Wahlen bestätigt, bleibt wegen Transnistrien und Gagausien aber angefochten.
Die Republik Moldau erhielt im Juni 2022 – zusammen mit der Ukraine – den Status eines EU-Beitrittskandidaten. Damit gehört das kleine Land zwischen Rumänien und der Ukraine zur neuen Erweiterungsdynamik der EU, die durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine wesentlich beschleunigt wurde.
Beitrittsverhandlungen
Die formellen Beitrittsverhandlungen wurden am 25. Juni 2024 eröffnet. Den Screening-Prozess – den Abgleich des nationalen Rechts mit dem EU-Rechtsbestand – schloss Moldau 2025 ab. Am 15. Juni 2026 öffneten die EU und Moldau den ersten Verhandlungscluster „Grundlagen“, am 14. Juli 2026 folgte der Cluster Außenbeziehungen. Die moldauische Regierung verfolgt weiterhin das selbst gesteckte Ziel eines EU-Beitritts bis 2028. Ob dieser Zeitplan realistisch ist, hängt auch davon ab, ob sich Ungarns Veto gegen weitere gemeinsame Verhandlungsschritte mit der Ukraine auflösen lässt, an die Moldaus Verhandlungstempo politisch gekoppelt ist.
Und der Euro?
Die Euro-Einführung ist für Moldau eine Perspektive, die erst nach einem erfolgreichen EU-Beitritt relevant wird. Danach gelten dieselben Anforderungen wie für alle neuen Mitgliedstaaten: Erfüllung der Konvergenzkriterien und eine mehrjährige Mitgliedschaft im Wechselkursmechanismus II. Die Landeswährung ist derzeit der Moldauische Leu.
Einordnung
Moldau gilt als politisch eindeutig pro-europäisch orientiert – die Bevölkerung hat sich im Verfassungsreferendum 2024 knapp für eine EU-Verankerung ausgesprochen, und die pro-europäische Regierungspartei PAS gewann 2025 die Parlamentswahl erneut mit absoluter Mehrheit. Gleichzeitig ist das Land eines der ärmsten Europas und durch die abtrünnige Region Transnistrien sowie Spannungen in der autonomen Region Gagausien politisch herausgefordert. Gemeinsam mit der Ukraine steht Moldau für den geopolitischen Erweiterungsimpuls der EU jenseits des Westbalkans.
Moldaus Weg in die EU im Detail
Assoziierung und Kandidatenantrag (2014–2022)
Moldau unterzeichnete am 27. Juni 2014 ein Assoziierungsabkommen mit vertiefter Freihandelszone (DCFTA) mit der EU, das ab dem 1. September 2014 vorläufig angewendet wurde. Dieses Abkommen vertiefte die wirtschaftliche Verflechtung und verpflichtete Moldau zur schrittweisen Übernahme von EU-Regeln in Handel, Wettbewerb und Verbraucherschutz, enthielt aber ausdrücklich keine Beitrittsperspektive. Das änderte sich erst mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine: Nur wenige Tage nach der Ukraine stellte Moldau am 3. März 2022 den EU-Beitrittsantrag, die Kommission empfahl am 17. Juni 2022 den Kandidatenstatus, und der Europäische Rat gewährte ihn am 23. Juni 2022 – im selben Beschluss wie der Ukraine. Für ein Land mit rund 2,4 Millionen Einwohnern und begrenzter eigener Verhandlungsmacht war dieses gemeinsame Vorgehen mit dem deutlich größeren Nachbarn von Anfang an sowohl Beschleuniger als auch Abhängigkeit.
Screening und Verhandlungsbeginn (2023–2025)
Nach der Entscheidung des Europäischen Rates vom Dezember 2023, Beitrittsverhandlungen mit Moldau aufzunehmen, fand am 25. Juni 2024 in Luxemburg die erste Regierungskonferenz statt – parallel zur Ukraine und mit vergleichbarem Ablauf. Der anschließende Screening-Prozess, in dem die Kommission Kapitel für Kapitel prüft, wie weit moldauisches Recht bereits dem EU-Rechtsbestand entspricht, wurde 2025 abgeschlossen. Chișinău galt in Brüssel über weite Strecken als das Land, das in den Reformen am weitesten vorangekommen war – schneller als die Ukraine und deutlich schneller als die Westbalkan-Kandidaten.
Das Verfassungsreferendum und die Präsidentschaftswahl 2024
Am 20. Oktober 2024 stimmte die Bevölkerung Moldaus über eine Verfassungsänderung ab, die das Ziel der EU-Mitgliedschaft in der Verfassung verankern sollte. Das Ergebnis fiel denkbar knapp aus: 50,35 % stimmten mit Ja, bei einer Wahlbeteiligung über dem nötigen Quorum von einem Drittel. Die EU sprach im Nachgang von einer „beispiellosen böswilligen Einmischung“ Russlands in die Abstimmung. Am selben Tag fand die erste Runde der Präsidentschaftswahl statt; in der Stichwahl setzte sich Amtsinhaberin Maia Sandu mit 55,3 % gegen den russlandfreundlichen Gegenkandidaten Alexandr Stoianoglo durch.
Cluster-Eröffnung im Gleichschritt mit der Ukraine (2026)
Weil der Rat Moldaus und der Ukraine Beitrittsverhandlungen aus politischen Gründen weitgehend gekoppelt behandelt, hing Moldaus Verhandlungstempo 2026 direkt von der Haltung Ungarns gegenüber der Ukraine ab. Erst nachdem die neue ungarische Regierung unter Péter Magyar ihr Veto gegen den ersten Cluster aufgab, öffneten die EU und Moldau am 15. Juni 2026 den Cluster „Grundlagen“ und am 14. Juli 2026 den Cluster „Außenbeziehungen“. Weitere Cluster blieben auch danach geschlossen; Präsidentin Sandu kritisierte wiederholt, Ungarn blockiere trotz der Fortschritte Moldaus den weiteren Prozess. Die moldauische Regierung hält dennoch öffentlich am Zieljahr 2028 für den EU-Beitritt fest.
Transnistrien und Gagausien als innenpolitische Dauerbaustelle
Zwei Regionen erschweren Moldaus EU-Kurs von innen. Die seit dem Konflikt von 1992 abtrünnige Region Transnistrien steht außerhalb der Kontrolle Chișinăus, russische Truppen sind dort weiterhin stationiert, und eine politische Lösung des Status ist nicht in Sicht. In der autonomen Region Gagausien im Süden des Landes stimmte beim Verfassungsreferendum 2024 eine große Mehrheit gegen die EU-Verankerung; Beobachter warnen, dass Eingriffe der Zentralregierung in die gagausische Autonomie die Spannungen zusätzlich verschärfen könnten, auch weil Teile der Region eine engere Anbindung an Russland der EU-Integration vorziehen. Für die Beitrittsverhandlungen bedeutet das: Die außenpolitische Reformbilanz Moldaus gilt in Brüssel als vergleichsweise gut, der innergesellschaftliche Zusammenhalt hinter dem EU-Kurs ist aber fragiler, als die landesweiten Wahlergebnisse auf den ersten Blick nahelegen.
Zeitleiste
- 27. Juni 2014: Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit DCFTA zwischen der EU und Moldau.
- 3. März 2022: Moldau stellt den EU-Beitrittsantrag.
- 23. Juni 2022: Der Europäische Rat gewährt Moldau den Kandidatenstatus, zusammen mit der Ukraine.
- Dezember 2023: Der Europäische Rat beschließt die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen.
- 25. Juni 2024: Erste Regierungskonferenz, formale Eröffnung der Beitrittsverhandlungen.
- 20. Oktober 2024: Verfassungsreferendum (50,35 % Ja) und Präsidentschaftswahl, Maia Sandu wiedergewählt.
- 2025: Abschluss des Screening-Prozesses.
- 28. September 2025: Die pro-europäische PAS gewinnt die Parlamentswahl mit absoluter Mehrheit.
- 15. Juni 2026: Eröffnung des ersten Verhandlungsclusters „Grundlagen“.
- 14. Juli 2026: Eröffnung von Cluster 6 „Außenbeziehungen“.
- Stand Oktober 2026: Weitere Cluster bleiben geschlossen, Zieljahr der Regierung für den Beitritt ist weiterhin 2028.
Quellen
- Rat der EU: EU opens accession negotiations with Moldova (Pressemitteilung, 25.06.2024)
- European Western Balkans: Ukraine and Moldova open Cluster 6 on external relations with the EU
- RFE/RL: Constitutional Court Validates Moldova’s ‘Yes’ On EU Referendum
- Euronews: Hungary blocks Moldova’s EU accession, Sandu says
- Jamestown Foundation: Moldova’s Moves to Limit Gagauz Autonomy Could Destabilize Southeastern Europe
Künftige Euromünzen
Zur konkreten Gestaltung künftiger Euromünzen dieses Landes ist bislang nichts bekannt – die nationalen Münzmotive werden erst im Zuge eines Euro-Beitritts festgelegt.
Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns
Häufige Fragen zu Moldau und dem Euro
Hat Moldau den Euro?
Nein. Moldau hat den Euro bisher nicht eingeführt. Die aktuelle Währung ist Moldauischer Leu.
Welche Währung hat Moldau?
Die offizielle Währung von Moldau ist Moldauischer Leu.
Ist Moldau in der EU?
Moldau ist offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.
Wann kann Moldau den Euro einführen?
Eine Euro-Einführung setzt zunächst die EU-Mitgliedschaft voraus. Moldau müsste anschließend die Konvergenzkriterien erfüllen und mindestens zwei Jahre am Wechselkursmechanismus II teilnehmen.