Flagge Türkei

Türkei und der Euro

Beitrittskandidat

Stand Oktober 2026: Die Türkei ist weiterhin offizieller EU-Beitrittskandidat, die Beitrittsverhandlungen liegen aber seit 2018 faktisch still. Seit Ende 2025 gibt es wieder diplomatische Bewegung: Deutschlands Außenminister Johann Wadephul stellte der Türkei im November 2025 einen „neuen Anlauf“ in Aussicht, und im Februar 2026 verständigten sich EU und Türkei darauf, Gespräche über eine Modernisierung der Zollunion fortzusetzen. Eine Euro-Einführung bleibt davon unberührt in weiter Ferne: Sie würde zunächst einen abgeschlossenen EU-Beitritt voraussetzen, der auf absehbare Zeit nicht ansteht. Gezahlt wird weiterhin mit der Türkischen Lira.

Beitrittsverhandlungen

Von 35 Verhandlungskapiteln hat die Türkei bislang 18 eröffnet und eines – Wissenschaft und Forschung – bereits 2006 vorläufig abgeschlossen; seit Dezember 2015 wurde kein neues Kapitel mehr geöffnet. Hintergrund sind nach Einschätzung der EU erhebliche Rückschritte bei Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit und Unabhängigkeit der Justiz sowie der ungelöste Zypern-Konflikt. Die EU betrachtet den Prozess als formell nicht beendet, aber de facto zum Stillstand gekommen.

Und der Euro?

Eine Euro-Einführung ist für die Türkei kein aktuelles Thema. Sie würde zunächst eine vollzogene EU-Mitgliedschaft voraussetzen – die auf absehbare Zeit nicht realistisch ist – und anschließend die Erfüllung der Konvergenzkriterien sowie eine Teilnahme am Wechselkursmechanismus II. Die Landeswährung ist die Türkische Lira.

Einordnung

Die Türkei ist ein Fall für sich: zu groß, zu geopolitisch bedeutsam und innenpolitisch zu weit von EU-Standards entfernt, um den Prozess einfach zu beenden – aber zu wenig reformorientiert, um ihn ernsthaft weiterzuführen. In der Praxis hat die EU die Beziehung zur Türkei auf Migrationsabkommen, Zollunion und sicherheitspolitische Zusammenarbeit verlagert, ohne den formellen Kandidatenstatus aufzuheben. Seit Ende 2025 mehren sich vorsichtige Signale aus Berlin und Brüssel für einen „neuen Anlauf“ – konkrete Fortschritte beim Beitrittsprozess selbst sind davon bislang aber nicht zu erkennen.

Türkeis Weg in die EU im Detail

Kandidatenstatus und Verhandlungsbeginn (1999–2005)

Die Türkei erhielt auf dem EU-Gipfel in Helsinki im Dezember 1999 den Status eines Beitrittskandidaten. Die EU-Kommission empfahl 2004 die Aufnahme von Verhandlungen, nachdem die Regierung unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan zuvor umfangreiche Reformen bei Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit umgesetzt hatte, darunter die Abschaffung der Todesstrafe. In der Nacht zum 4. Oktober 2005 nahm die EU die Beitrittsverhandlungen offiziell auf – nach zähem Ringen bis in die letzten Stunden vor dem vereinbarten Termin, nachdem zuvor insbesondere Deutschland und Österreich wiederholt eine „privilegierte Partnerschaft“ statt einer Vollmitgliedschaft ins Spiel gebracht hatten. Grundlegende Vorbehalte blieben von Anfang an bestehen: die Nichtanerkennung der Republik Zypern durch Ankara sowie die Größe des Landes, dessen Bevölkerung die Stimmgewichte im EU-Rat erheblich verschoben hätte.

Die Zypern-Blockade (2006)

Bereits ein Jahr später geriet der Prozess ins Stocken. Weil die Türkei sich weigerte, das Ankara-Protokoll umzusetzen und damit ihre Häfen und Flughäfen für Schiffe und Flugzeuge aus dem EU-Mitglied Zypern zu öffnen, beschloss der EU-Rat im Dezember 2006, acht der 35 Verhandlungskapitel bis auf Weiteres nicht zu eröffnen. Frankreich blockierte zusätzlich am 24. Juni 2007 unter Präsident Nicolas Sarkozy die Eröffnung des Kapitels „Wirtschafts- und Währungspolitik“ – aus Sorge, dies könnte faktisch als Zustimmung zu einer Euro-Perspektive der Türkei gelesen werden. Zypern selbst blockierte im Lauf der Jahre zusätzlich einzelne Kapitel.

Schleppender Fortschritt (2007–2015)

Trotz der Blockaden öffnete die EU in den Folgejahren weitere Kapitel, darunter 2009 das Kapitel „Steuerpolitik“. Ein neuer Anschub kam 2015 über einen anderen Kanal: Angesichts hoher Flüchtlingszahlen über die Balkanroute einigten sich die EU und die Türkei auf eine engere Zusammenarbeit in der Migrationspolitik, die am 18. März 2016 in der sogenannten EU-Türkei-Erklärung mündete – mit Rückführungen von der Türkei nach Griechenland, EU-Finanzhilfen von 6 Milliarden Euro und der Aussicht auf Visafreiheit für türkische Staatsangehörige. Als Teil dieser Annäherung einigte man sich bei einem Sondergipfel Ende November 2015 darauf, das seit 2007 blockierte Kapitel „Wirtschafts- und Währungspolitik“ zu öffnen; am 14. Dezember 2015 wurde es formell eröffnet. Es blieb bis heute das letzte neu eröffnete Kapitel – ausgerechnet jenes, das für eine spätere Euro-Konvergenzprüfung zentral wäre.

Stillstand nach dem Putschversuch (seit 2016)

Nach dem gescheiterten Putschversuch vom Juli 2016 verhängte die türkische Regierung den Ausnahmezustand, entließ und verhaftete tausende Richter, Staatsanwälte, Militärangehörige und Beamte und schränkte die Pressefreiheit deutlich ein. Die 2017 per Referendum beschlossene Verfassungsreform mit Einführung eines Präsidialsystems verstärkte aus Sicht der EU-Kommission die Konzentration der Macht beim Staatspräsidenten zusätzlich. Die Kommission stellte in ihren Fortschrittsberichten wiederholt „schwerwiegende Rückschritte“ bei Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit und richterlicher Unabhängigkeit fest. Das Europäische Parlament forderte mehrfach, die Verhandlungen formell auszusetzen; der Rat hat diesen Schritt bislang nicht vollzogen, eröffnet aber seit 2018 auch keine neuen Kapitel mehr. Der Beitrittsprozess gilt seither als eingefroren, ohne formell beendet zu sein.

Neue Gespräche über die Zollunion (2025–2026)

Parallel zum eingefrorenen Beitrittsprozess bewegt sich ein anderer Teil der Beziehung: die 1996 geschlossene Zollunion zwischen der EU und der Türkei. Im November 2025 stellte Deutschlands Außenminister Johann Wadephul der Türkei bei einem Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Hakan Fidan einen „neuen Anlauf“ beim EU-Beitritt in Aussicht, betonte zugleich aber, die Kopenhagener Kriterien zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit blieben nicht verhandelbar. Am 6. Februar 2026 verständigten sich EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos und Fidan in Ankara darauf, die Arbeiten an einer Modernisierung der Zollunion fortzusetzen. Ende September 2026 forderte auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst eine Reform der drei Jahrzehnte alten Zollunion. Eine EU-Vollmitgliedschaft der Türkei – und damit eine Euro-Perspektive – rückt dadurch nicht näher; die Bewegung betrifft den Handel, nicht den Beitrittsprozess. Für die türkische Seite ist die Modernisierung vor allem wirtschaftlich motiviert: Die 1996 vereinbarten Regeln der Zollunion gelten als veraltet, seit die EU in den vergangenen Jahren eigene Freihandelsabkommen mit Drittstaaten schloss, von denen die Türkei automatisch ausgeschlossen bleibt.

Zeitleiste

  • Dezember 1999: Die Türkei erhält auf dem EU-Gipfel in Helsinki den Kandidatenstatus
  • 4. Oktober 2005: Die Beitrittsverhandlungen werden offiziell aufgenommen
  • Dezember 2006: Der EU-Rat friert acht Verhandlungskapitel wegen des Zypern-Konflikts ein
  • 24. Juni 2007: Frankreich blockiert das Kapitel Wirtschafts- und Währungspolitik
  • 2009: Das Kapitel Steuerpolitik wird eröffnet
  • 14. Dezember 2015: Letztes neues Kapitel eröffnet (Wirtschafts- und Währungspolitik)
  • 18. März 2016: EU-Türkei-Erklärung zur Flüchtlingspolitik
  • Juli 2016: Gescheiterter Putschversuch, die EU verschärft ihre Kritik
  • 2017: Verfassungsreferendum führt das Präsidialsystem ein
  • seit 2018: Keine neuen Verhandlungskapitel mehr eröffnet
  • November 2025: Außenminister Wadephul stellt einen „neuen Anlauf“ in Aussicht
  • 6. Februar 2026: EU und Türkei vereinbaren die Fortsetzung der Zollunion-Gespräche
  • September 2026: NRW-Ministerpräsident Wüst fordert eine Zollunion-Reform

Quellen

Künftige Euromünzen

Zur konkreten Gestaltung künftiger Euromünzen dieses Landes ist bislang nichts bekannt – die nationalen Münzmotive werden erst im Zuge eines Euro-Beitritts festgelegt.

Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns

Häufige Fragen zu Türkei und dem Euro

Hat Türkei den Euro?

Nein. Türkei hat den Euro bisher nicht eingeführt. Die aktuelle Währung ist Türkische Lira.

Welche Währung hat Türkei?

Die offizielle Währung von Türkei ist Türkische Lira.

Ist Türkei in der EU?

Türkei ist offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.

Wann kann Türkei den Euro einführen?

Eine Euro-Einführung setzt zunächst die EU-Mitgliedschaft voraus. Türkei müsste anschließend die Konvergenzkriterien erfüllen und mindestens zwei Jahre am Wechselkursmechanismus II teilnehmen.