Stand Oktober 2026: Ungarn hat seit dem Regierungswechsel im April 2026 wieder ein Euro-Ziel. Die Regierung von Premier Péter Magyar will die Konvergenzkriterien bis 2030 erfüllen. Nach Rechnung der Ungarischen Nationalbank (MNB) müsste der Forint dafür spätestens Anfang 2029 in den Wechselkursmechanismus II eintreten. Frühester Termin für den Euro wäre damit der 1. Januar 2032 – ein verbindlicher, mit der EU vereinbarter Termin ist das nicht, und Analysten halten die Mitte der 2030er-Jahre für realistischer.
Ungarn ist seit 2004 EU-Mitglied und hat kein Opt-out. Das Land ist also rechtlich zur Einführung des Euro verpflichtet, sobald es die Bedingungen erfüllt.
Wo Ungarn bei den Kriterien steht
- Preisstabilität: Die Inflation lag beim EZB-Konvergenzbericht vom Juni 2026 bei 3,5 % und damit über dem Referenzwert von 2,7 %.
- Öffentliche Finanzen: Größtes Hindernis. Die Regierung hat das Defizitziel für 2026 wegen der „geerbten“ Haushaltslage auf 7,5 % des BIP angehoben, weit über der 3-%-Grenze. Die Schuldenquote liegt bei rund 77,5 % des BIP.
- Langfristige Zinsen: Mit 6,7 % deutlich über dem Referenzwert von 5,1 %.
- Wechselkurs: Der Forint ist nicht im WKM II, die zwei Pflichtjahre dort stehen noch komplett aus.
- Rechtliche Konvergenz: Auch das Notenbankgesetz muss mit den EU-Verträgen vereinbar sein. Der EZB-Konvergenzbericht sah Ungarn insgesamt noch nicht beitrittsreif.
EU-Gelder und Rechtsstaat
Parallel hat Ungarn 2026 Reformen umgesetzt, um eingefrorene EU-Mittel freizubekommen. Für die Euro-Prüfung zählen diese Mittel nicht direkt. Sie helfen aber dem Haushalt und gelten als Zeichen, ob die Reformen tragen.
Ungarns Weg zum Euro im Detail
Frühe Ambitionen und der Fehlstart (2004–2008)
Ungarn trat der EU 2004 bei. Premierminister Ferenc Gyurcsány hielt zunächst an einem Zeitraum zwischen 2010 und 2014 für die Euro-Einführung fest, ursprünglich sollte der Forint schon 2010 abgelöst werden. Das Land stand dabei wirtschaftlich schlecht da: 2006 erreichte das Haushaltsdefizit mehr als 9 % des Bruttoinlandsprodukts – der höchste Wert in der gesamten EU, Ungarn galt als Defizitsünder Nummer eins der Union. Ein strenges Sparprogramm senkte die Neuverschuldung bis 2007 auf 5,7 %, die Regierung wollte 2008 die selbst gesetzte Grenze von 4 % erreichen, auch wenn die Gesamtverschuldung des Landes noch Jahre über der erlaubten 60-Prozent-Marke bleiben sollte. 2008 gab die Nationalbank zusätzlich den Wechselkurs des Forint frei und hob die bis dahin geltende Schwankungsbreite von 15 % zum Euro auf, um die auf fast 8 % gestiegene Inflation einzudämmen. Preisstabilität habe oberste Priorität, hieß es damals aus Budapest. Ein Beitritt zum Wechselkursmechanismus II schien für 2010 denkbar – auch dieser Plan scheiterte wenig später an Wirtschaftskrise und wachsendem Defizit.
Finanzkrise und das Ende der Ambitionen (2009–2016)
Die globale Finanzkrise traf Ungarn hart. 2009 musste das Land einen Notkredit in Höhe von 20 Milliarden Euro aufnehmen. Weder Fachleute noch die EZB rechneten mehr damit, dass Ungarn vor 2015 den Euro einführen könnte. Mit Viktor Orbáns Amtsantritt 2010 verschwand das Thema endgültig von der Agenda: Ende 2012 erklärte er, die Einführung der Gemeinschaftswährung sei nicht mehr nötig, da Ungarn die Kriterien ohnehin nicht erfülle. 2016 bestätigte MNB-Gouverneur György Matolcsy diese Haltung noch einmal ausdrücklich.
16 Jahre Stillstand unter Orbán (2010–2026)
Unter Orbán spielte der Euro politisch keine Rolle mehr. Die Regierung betonte stattdessen die Eigenständigkeit der Notenbank und die Flexibilität des Forint als Instrument gegen wirtschaftliche Schocks – und, zunehmend, als Symbol nationaler Souveränität gegenüber Brüssel. Einen Antrag auf Teilnahme am Wechselkursmechanismus II hat Ungarn in all den Jahren nie gestellt, ein Zieldatum nannte die Regierung nicht mehr. Parallel dazu verschlechterte sich das Verhältnis zur EU-Kommission wegen Rechtsstaatsfragen, was ab 2022 zum zeitweisen Einfrieren von EU-Mitteln führte – ein Streit, der mit der Euro-Frage zwar nicht direkt, aber über den Haushalt indirekt verknüpft ist.
Regierungswechsel 2026: Tisza und das neue Euro-Ziel
Bei der Parlamentswahl im April 2026 gewann die pro-europäische Tisza-Partei unter Péter Magyar mit 53,2 % der Stimmen und 138 von 199 Sitzen eine Zweidrittelmehrheit – nach 16 Jahren Fidesz-Regierung unter Orbán. Magyar, selbst früher Fidesz-Mitglied, machte im Wahlkampf vor allem Korruptionsbekämpfung und die Wiederherstellung von Rechtsstaatlichkeit zum Thema. Im Juni 2026 bekräftigte er das Ziel, die Konvergenzkriterien bis 2030 zu erfüllen: Der Euro erschwere künftigen Regierungen eine lockere Haushaltspolitik, so seine Begründung. Ende September 2026 äußerte sich MNB-Vizegouverneur Zoltán Kurali konkreter: Erfülle Ungarn die Maastricht-Kriterien bis 2030, könne der WKM-II-Beitritt spätestens Anfang 2029 erfolgen, frühester Euro-Termin wäre dann 2032. Die MNB will zudem ab 2028 ihre mittelfristige Inflationszielspanne von 3 % auf 2,5 % senken, um die heimische Geldpolitik näher an die Bedingungen der Eurozone heranzuführen.
Die Haushaltsrealität bremst den Zeitplan
Wie groß die Lücke zum Ziel ist, zeigt der Haushalt 2026: Die Regierung hob das Defizitziel von ursprünglich 3,7 % auf 7,5 % des BIP an und begründete das mit der „geerbten“ Wirtschaftslage sowie den Kosten von Dürre und Energiekrise. Bis 2030 soll das Defizit wieder auf 3 % sinken. Den Haushalt für 2027 will die Regierung Mitte Oktober 2026 vorlegen. Laut Notenbank muss er glaubwürdig ausfallen, damit die WKM-II-Gespräche nicht ins Stocken geraten. Analysten des Brokerhauses Equilor halten 2033 für den realistischeren Euro-Termin.
Zeitleiste
- 2004: EU-Beitritt Ungarns.
- 2006: Haushaltsdefizit übersteigt 9 % des BIP, höchster Wert in der EU.
- 2008: Nationalbank gibt den Forint-Wechselkurs frei.
- 2009: Ungarn nimmt einen IWF-Notkredit über 20 Milliarden Euro auf.
- Ende 2012: Premier Orbán erklärt den Euro für nicht mehr notwendig.
- 2016: MNB-Gouverneur Matolcsy bestätigt diese Haltung.
- April 2026: Tisza-Partei unter Péter Magyar gewinnt die Parlamentswahl mit Zweidrittelmehrheit.
- Juni 2026: Magyar bekräftigt das Ziel, die Konvergenzkriterien bis 2030 zu erfüllen.
- 24. Juni 2026: EZB-Konvergenzbericht sieht Ungarn noch nicht beitrittsreif.
- 31. August 2026: Regierung legt „Haushalt der Realität“ mit Defizitziel von 7,5 % vor.
- 26./27. September 2026: MNB-Vizegouverneur Kurali nennt WKM II ab Anfang 2029 und Euro frühestens 2032.
- Mitte Oktober 2026 (geplant): Regierung will den Haushalt 2027 vorlegen.
Quellen
- EZB: Konvergenzbericht, Juni 2026
- Europäische Kommission: Convergence Report 2026 (PDF)
- ZDFheute: Ungarn-Wahl 2026 – Magyar vorn, Orbán gratuliert
- Telex: MNB-Vizegouverneur Kurali zum frühesten Euro-Termin 2032
- Balaton-Zeitung: Defizitziel 2026 auf 7,5 % angepasst
Künftige Euromünzen
Zur konkreten Gestaltung künftiger Euromünzen dieses Landes ist bislang nichts bekannt – die nationalen Münzmotive werden erst im Zuge eines Euro-Beitritts festgelegt.
Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns
Häufige Fragen zu Ungarn und dem Euro
Hat Ungarn den Euro?
Nein. Ungarn hat den Euro bisher nicht eingeführt. Die aktuelle Währung ist Forint.
Welche Währung hat Ungarn?
Die offizielle Währung von Ungarn ist Forint.
Ist Ungarn in der EU?
Ungarn ist Mitglied der Europäischen Union (seit 2004).
Wann führt Ungarn den Euro ein?
Für Ungarn wird der Euro frühestens für 2032 diskutiert. Ein verbindliches Datum gibt es nicht; zunächst müssen die Konvergenzkriterien erfüllt werden.