Flagge Nordmazedonien

Nordmazedonien und der Euro

Beitrittskandidat

Stand Oktober 2026: Nordmazedoniens EU-Beitrittsprozess steht trotz formal laufender Verhandlungen seit 2022 still. Der eigene Verhandlungsrahmen knüpft die Öffnung des ersten Verhandlungsclusters an eine Verfassungsänderung, die ethnische Bulgaren ausdrücklich erwähnt – Premierminister Hristijan Mickoski lehnt das ab, solange die Mitgliedschaft nicht vorher gesichert ist. Die Opposition fordert ein Referendum über den weiteren EU-Kurs. Bezahlt wird in Nordmazedonien weiterhin mit dem Denar, eine Euro-Einführung bleibt an den noch ausstehenden EU-Beitritt gekoppelt.

Nordmazedonien ist seit 2005 offizieller EU-Beitrittskandidat – eines der ältesten laufenden Kandidatenverhältnisse überhaupt. Der Weg zu formellen Verhandlungen war außergewöhnlich lang und von bilateralen Konflikten geprägt.

Beitrittsverhandlungen

Die Screening-Phase für alle 33 Verhandlungskapitel ist seit Dezember 2023 abgeschlossen – eröffnet wurde seither kein einziges. Grund ist der eigene Verhandlungsrahmen: Er macht die Öffnung von Cluster 1 (Fundamentals) von einer Verfassungsänderung abhängig, die Bulgaren als Volksgruppe in der Präambel nennt. Die Regierung Mickoski lehnt diesen Schritt vor einem EU-Beitritt ab und bezeichnet die Forderung als „künstlichen Streitpunkt“. Die EU hatte Albaniens Verhandlungsprozess im September 2024 deshalb vom bis dahin gemeinsamen Verfahren abgekoppelt, weil für Nordmazedonien kein klarer Weg aus der Blockade erkennbar war.

Das Land ist über ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU verbunden, das bereits 2004 in Kraft trat.

Und der Euro?

Eine Euro-Einführung ist für Nordmazedonien kein kurzfristiges Thema. Sie setzt zuerst die EU-Mitgliedschaft voraus und danach die Erfüllung der Konvergenzkriterien sowie eine Teilnahme am Wechselkursmechanismus II. Landeswährung bleibt der Denar.

Einordnung

Nordmazedonien hat mit dem Prespa-Abkommen gezeigt, dass ein jahrzehntealter bilateraler Konflikt lösbar ist. Der seitherige Stillstand zeigt zugleich, wie sehr der EU-Erweiterungsprozess von Einzelforderungen einzelner Mitgliedstaaten abhängen kann – und wie wenig der formale Verhandlungsbeginn 2022 über den tatsächlichen Fortschritt aussagt: Kein einziges Kapitel ist bislang geöffnet.

Nordmazedoniens Weg in die EU im Detail

Kandidat ohne Verhandlungen (2001–2018)

Nordmazedonien – damals noch unter dem international verwendeten Namen Mazedonien beziehungsweise FYROM – unterzeichnete im April 2001 ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU, das im April 2004 in Kraft trat. Den Mitgliedsantrag stellte das Land am 22. März 2004. Die Kommission empfahl im November 2005 den Kandidatenstatus, der Europäische Rat verlieh ihn im Dezember 2005.

Formelle Beitrittsverhandlungen eröffnete die EU damit aber nicht – wegen des seit 1991 schwelenden Namensstreits mit Griechenland, das in jedem Begriff „Mazedonien“ eine Anspielung auf die gleichnamige griechische Region und historische Ansprüche auf deren Erbe sah. Athen blockierte in dieser Zeit auch den bereits 2008 beschlossenen NATO-Beitritt des Landes, solange der Namensstreit ungelöst blieb. Mehr als ein Jahrzehnt lang blieb der Kandidatenstatus damit ohne nächsten Schritt – eine der längsten Wartezeiten in der Geschichte der EU-Erweiterung.

Der Namensstreit und seine Lösung (2018–2020)

Die Regierungen unter den Ministerpräsidenten Zoran Zaev und Alexis Tsipras einigten sich im Prespa-Abkommen vom 12. Juni 2018 auf den neuen Staatsnamen „Nordmazedonien“. Das Land änderte dafür seine Verfassung; die Umbenennung war im Februar 2019 formal vollzogen. Das Abkommen öffnete zugleich den Weg für den NATO-Beitritt, den Nordmazedonien 2020 vollzog.

Von Griechenland zu Bulgarien (2019–2022)

Mit dem Namensstreit beigelegt, beschloss der Europäische Rat im März 2020 die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen – gemeinsam mit Albanien. Noch bevor die erste Regierungskonferenz stattfinden konnte, verhängte Bulgarien im November 2020 ein eigenes Veto: Sofia verlangte unter anderem die ausdrückliche Anerkennung einer bulgarischen Minderheit in der nordmazedonischen Verfassung sowie Zugeständnisse bei Fragen der gemeinsamen Geschichte und Sprache. Erst im Juni 2022 hob das bulgarische Parlament das Veto auf Basis eines von Frankreich vermittelten Kompromissvorschlags auf; die mazedonische Versammlung billigte diesen „französischen Vorschlag“ im Juli 2022. Die Beitrittsverhandlungen begannen formell am 19. Juli 2022 – am selben Tag wie bei Albanien. Für die Zustimmung zum französischen Vorschlag musste die damalige Regierung unter der SDSM eine knappe Mehrheit im Parlament organisieren; die VMRO-DPMNE lehnte den Kompromiss als Oppositionspartei seinerzeit als zu weitgehendes Zugeständnis an Bulgarien ab. Seit sie 2024 selbst die Regierung stellt, ist es dieselbe Partei, die nun die daraus folgende Verfassungsänderung blockiert.

Der eingebaute Stillstand (seit 2022)

Der Kompromiss von 2022 hat die bulgarische Forderung nicht aus der Welt geschafft, sondern in den eigenen Verhandlungsrahmen Nordmazedoniens eingebaut: Die Öffnung von Cluster 1 ist darin ausdrücklich an eine Verfassungsänderung gekoppelt, die Bulgaren als Volksgruppe nennt – eine Mehrheit von zwei Dritteln im Parlament, die die seit Juni 2024 amtierende Regierung unter Hristijan Mickoski (VMRO-DPMNE) politisch nicht anstrebt. Die Screening-Phase für alle 33 Kapitel war im Dezember 2023 zwar abgeschlossen, geöffnet wurde seither kein einziges.

Mickoski besteht darauf, die Verfassung erst nach einem EU-Beitritt zu ändern, nicht davor, und wirft Teilen der EU vor, den Integrationsprozess zu nutzen, um die nationale Identität des Landes zu verändern statt dessen Institutionen zu modernisieren – eine Position, die er zuletzt beim Concordia Summit in New York im September 2026 öffentlich bekräftigte. Die Opposition um die SDSM fordert stattdessen ein Referendum darüber, ob die Bevölkerung die mit der Verfassungsänderung verbundenen Kosten für eine EU-Mitgliedschaft tragen will; ein weiterer, von einem ehemaligen Diplomaten eingebrachter Referendumsvorschlag sieht eine direkte Abstimmung über die Verfassungsänderung selbst vor. Keiner dieser Vorschläge hatte bis Herbst 2026 eine parlamentarische Mehrheit. Damit bleibt die Reihenfolge strittig: Die EU und Bulgarien verlangen die Verfassungsänderung als Voraussetzung für die Kapitel-Öffnung, Skopje will sie – wenn überhaupt – erst als Ergebnis eines bereits gesicherten Beitritts akzeptieren. Diese Pattsituation unterscheidet den Fall Nordmazedonien von anderen Westbalkan-Kandidaten, bei denen die offenen Fragen vor allem im eigenen Land liegen und nicht in einer von außen gestellten Vorbedingung.

Zeitleiste

  • April 2001: Unterzeichnung des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens.
  • 22. März 2004: Nordmazedonien stellt den EU-Mitgliedsantrag.
  • Dezember 2005: Verleihung des Kandidatenstatus.
  • 12. Juni 2018: Prespa-Abkommen mit Griechenland im Namensstreit.
  • Februar 2019: Umbenennung in Nordmazedonien formal vollzogen.
  • 2020: NATO-Beitritt Nordmazedoniens.
  • März 2020: Europäischer Rat beschließt die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen.
  • November 2020: Bulgarien verhängt ein Veto gegen den Verhandlungsbeginn.
  • Juni 2022: Bulgarien hebt sein Veto auf Basis eines französischen Kompromissvorschlags auf.
  • 19. Juli 2022: Formaler Beginn der Beitrittsverhandlungen.
  • Dezember 2023: Screening aller 33 Verhandlungskapitel abgeschlossen.
  • Juni 2024: Hristijan Mickoski wird Premierminister.
  • September 2024: EU entkoppelt Albaniens Prozess von dem Nordmazedoniens.
  • September 2026: Mickoski bekräftigt beim Concordia Summit seine Ablehnung der Verfassungsänderung vor dem EU-Beitritt.

Quellen

Künftige Euromünzen

Zur konkreten Gestaltung künftiger Euromünzen dieses Landes ist bislang nichts bekannt – die nationalen Münzmotive werden erst im Zuge eines Euro-Beitritts festgelegt.

Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns

Häufige Fragen zu Nordmazedonien und dem Euro

Hat Nordmazedonien den Euro?

Nein. Nordmazedonien hat den Euro bisher nicht eingeführt. Die aktuelle Währung ist Mazedonischer Denar.

Welche Währung hat Nordmazedonien?

Die offizielle Währung von Nordmazedonien ist Mazedonischer Denar.

Ist Nordmazedonien in der EU?

Nordmazedonien ist offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.

Wann kann Nordmazedonien den Euro einführen?

Eine Euro-Einführung setzt zunächst die EU-Mitgliedschaft voraus. Nordmazedonien müsste anschließend die Konvergenzkriterien erfüllen und mindestens zwei Jahre am Wechselkursmechanismus II teilnehmen.