Flagge Großbritannien

Großbritannien und der Euro

EU ausgetreten

Stand Oktober 2026: Großbritannien ist seit dem 31. Januar 2020 kein EU-Mitglied mehr und damit kein Euro-Anwärter. Der Euro war für das Land ohnehin nie ein nahes Ziel: Es hatte bereits 1992 ein dauerhaftes Opt-out von der Währungsunion ausgehandelt und zahlte durchgängig mit dem Pfund Sterling. Mit dem Brexit entfällt auch der rechtliche Rahmen für eine künftige Euro-Mitgliedschaft. Eine Rückkehr in die EU ist nach aktuellem Stand nicht absehbar.

Verhältnis zum Euro

Der Euro war für Großbritannien nie ein realistisches nahes Ziel. Das Land hatte beim Maastricht-Vertrag 1992 ein Opt-out von der Einheitswährung ausgehandelt und behielt das Pfund Sterling durchgängig. Eine Mitgliedschaft im Wechselkursmechanismus II bestand nicht; die Konvergenzkriterien wurden nie ernsthaft verfolgt.

Großbritannien gehörte damit zu den EU-Mitgliedstaaten mit expliziter Ausnahmeregelung – ähnlich wie Dänemark, aber ohne die freiwillige WKM-II-Teilnahme.

Nach dem Brexit

Mit dem Austritt aus der EU entfällt auch der institutionelle Rahmen für eine künftige Euro-Mitgliedschaft. Großbritannien ist deshalb auf dieser Seite nicht als Anwärterland geführt, sondern aus historischen und dokumentarischen Gründen aufgeführt. Eine Rückkehr in die EU – geschweige denn eine spätere Euro-Einführung – ist politisch nicht absehbar; weder in London noch in Brüssel gibt es laufende Beitrittsgespräche.

Großbritanniens Weg zum Euro im Detail

Der Maastricht-Vorbehalt (1992)

Als die EU-Mitgliedstaaten den Vertrag von Maastricht aushandelten, der die Wirtschafts- und Währungsunion begründete, bestand London auf einer Ausnahme. Anders als die meisten übrigen Mitgliedstaaten verpflichtete sich Großbritannien nicht automatisch zur dritten Stufe der Währungsunion und damit zur Euro-Einführung; die Entscheidung darüber blieb dem britischen Parlament vorbehalten. Festgehalten wurde das in einem eigenen Protokoll zum Vertrag, der am 7. Februar 1992 unterzeichnet wurde. Premierminister John Major brauchte diese Ausnahme, um den Vertrag überhaupt durch das Unterhaus zu bekommen – die Fraktion der Conservative Party war in der Europafrage bereits damals tief gespalten. Nur Dänemark erhielt eine ähnliche Sonderregelung. Vorausgegangen war der „Schwarze Mittwoch“ vom 16. September 1992: Das Pfund musste den Europäischen Wechselkursmechanismus verlassen, nachdem Spekulanten gegen die Bindung an die D-Mark gewettet hatten. Die Erfahrung kostete die Regierung Milliardenbeträge an Devisenreserven und prägte die britische Skepsis gegenüber festen Wechselkursregimen für Jahrzehnte.

Die fünf Tests von Gordon Brown (1997–2003)

Mit dem Regierungswechsel zu Labour 1997 rückte der Euro kurzzeitig näher. Premierminister Tony Blair galt als grundsätzlich aufgeschlossen und hatte ein Referendum über den Beitritt in Aussicht gestellt. Finanzminister Gordon Brown bremste jedoch und sicherte sich damit faktisch ein Vetorecht über das Tempo: Am 27. Oktober 1997 legte er fünf wirtschaftliche Tests fest, anhand derer das Finanzministerium prüfen sollte, ob ein Euro-Beitritt im britischen Interesse läge – darunter die Konvergenz der Konjunkturzyklen mit der Eurozone, ausreichende Flexibilität für wirtschaftliche Schocks sowie die Folgen für Investitionen, den Finanzplatz London und die Beschäftigung. Die erste Bewertung 1997 fiel überwiegend negativ aus; Brown sah nur einen der fünf Tests als erfüllt an. Am 9. Juni 2003 legte das Finanzministerium nach jahrelanger Prüfung, begleitet von 18 Einzelstudien, seine Schlussfolgerung vor: Die britische Wirtschaft sei zwar stärker mit der Eurozone konvergiert, insgesamt blieben die Tests aber nicht erfüllt – vor allem bei der Flexibilität bestünden weiter Zweifel. Ein Referendum über den Euro-Beitritt, wie von Blair in Aussicht gestellt, fand damit nie statt.

Das Ende der Euro-Debatte

In den Jahren nach 2003 verschwand der Euro zunehmend von der politischen Agenda. Zur Jahreswende 2001/2002 führten die Euro-Länder Banknoten und Münzen ein, ohne dass dies in Großbritannien eine neue Beitrittsdebatte auslöste; Schweden lehnte den Euro 2003 in einem eigenen Referendum ebenfalls ab. Die Finanz- und spätere Eurozonen-Schuldenkrise ab 2008, mit Rettungsprogrammen für Griechenland, Irland und Portugal, bestärkte Euro-Skeptiker in London zusätzlich: Umfragen sahen die Zustimmung zum Euro-Beitritt zeitweise bei unter 20 Prozent. Unter den konservativen Premierministern David Cameron und später Theresa May war ein Beitritt kein ernsthaftes Thema mehr; Cameron bezeichnete eine Euro-Einführung in Großbritannien 2013 beim Weltwirtschaftsforum in Davos öffentlich als ausgeschlossen. Die Debatte verlagerte sich stattdessen auf die grundsätzlichere Frage der EU-Mitgliedschaft.

Brexit (2016–2020)

Am 23. Januar 2013 kündigte Cameron in einer Grundsatzrede ein Referendum über den Verbleib in der EU an, sollte er die nächste Wahl gewinnen – auch um den europaskeptischen Flügel seiner Partei und die aufstrebende UKIP einzuhegen. Nach dem Wahlsieg 2015 verabschiedete das Parlament das entsprechende Gesetz. Am 23. Juni 2016 stimmten bei einer Beteiligung von 72,2 Prozent 51,9 Prozent der Wählerinnen und Wähler für den Austritt. Cameron trat daraufhin zurück; seine Nachfolgerin Theresa May leitete am 29. März 2017 mit der Mitteilung an den Europäischen Rat das Austrittsverfahren nach Artikel 50 des EU-Vertrags ein. Nach mehreren gescheiterten Abstimmungen im Unterhaus über das Austrittsabkommen und vorgezogenen Neuwahlen im Dezember 2019 verließ Großbritannien unter Premierminister Boris Johnson die EU am 31. Januar 2020 formell; eine Übergangsphase mit weitgehend unveränderten Regeln endete am 31. Dezember 2020.

Nach dem Brexit: Handelsabkommen statt Mitgliedschaft

Am 30. Dezember 2020 unterzeichneten die EU und Großbritannien das Handels- und Kooperationsabkommen, das seit dem 1. Januar 2021 angewendet wird und zollfreien, quotenfreien Warenhandel ermöglicht – allerdings ohne Teilnahme am EU-Binnenmarkt oder an der Zollunion. Mit diesem Abkommen ist die Beziehung zwischen London und Brüssel auf Jahre als Drittstaaten-Partnerschaft festgeschrieben. Eine Frage nach dem Euro stellt sich seitdem nicht mehr: Sie setzte schon vor dem Brexit eine EU-Mitgliedschaft voraus, die nun endgültig nicht mehr besteht.

Zeitleiste

  • 7. Februar 1992: Maastricht-Vertrag unterzeichnet, Großbritannien erhält ein dauerhaftes Euro-Opt-out
  • 16. September 1992: „Schwarzer Mittwoch“ – das Pfund verlässt den Europäischen Wechselkursmechanismus
  • 27. Oktober 1997: Finanzminister Gordon Brown verkündet die fünf wirtschaftlichen Tests
  • 9. Juni 2003: Das Finanzministerium erklärt die Tests für nicht erfüllt, kein Referendum
  • 2008–2009: Finanzkrise und Eurozonen-Schuldenkrise dämpfen die Euro-Zustimmung weiter
  • 23. Januar 2013: Premier David Cameron kündigt ein EU-Mitgliedschaftsreferendum an
  • 23. Juni 2016: Referendum über den EU-Verbleib – 51,9 % stimmen für den Austritt
  • 29. März 2017: Großbritannien löst Artikel 50 des EU-Vertrags aus
  • 12. Dezember 2019: Vorgezogene Neuwahl, Boris Johnson gewinnt mit Brexit-Mandat
  • 31. Januar 2020: Formeller Austritt aus der Europäischen Union
  • 30. Dezember 2020: Unterzeichnung des Handels- und Kooperationsabkommens
  • 31. Dezember 2020: Ende der Übergangsphase, Drittstaaten-Regeln gelten vollständig

Quellen

Stand: 01. Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr · Über uns

Häufige Fragen zu Großbritannien und dem Euro

Hat Großbritannien den Euro?

Nein. Großbritannien hat den Euro bisher nicht eingeführt. Die aktuelle Währung ist Pfund Sterling.

Welche Währung hat Großbritannien?

Die offizielle Währung von Großbritannien ist Pfund Sterling.

Ist Großbritannien in der EU?

Großbritannien ist kein Mitglied der Europäischen Union mehr.