Befeuert der Brexit eine Euro-Krise?

Kommt der Brexit oder doch der Exit vom Brexit. Und wenn ja, wann und zu welchen Bedingungen? Der Austritt der Briten aus der EU wurde am 28. März 2017 eingeleitet, an diesem Tag wurde der Bexit-Antrag durch die damalige Premierministerin Theresa May unterschrieben (9 Monate nach dem Referendum). Bereits am nächsten Tag wurde der Antrag dem damaligen EU-Ratspräsidenten Donald Tusk vorgelegt.

Seit diesem Zeitpunkt ist alles andere jedoch noch völlig unklar. In endlosen Diskussionen wurde gestritten, beraten und der Ausstiegstermin immer und immer wieder verschoben. Eigentlich sollte es bereits am 29. März 2019 (23 Uhr britischer Zeit) zuletzt soweit sein. Doch seit diesem Zeitpunkt befinden wir uns in einer Endlos-Schleife. Im Fokus steht mittlerweile der 31. Oktober 2019. Angezweifelt wird aber, ob bis dahin wirklich eine verbindliche vertragliche Regelung erzielt wird. Der harte Brexit droht immer noch. Einige befürworten ihn sogar. Was müssen Sie über den Brexit wissen? Sorgt das Chaos bereits für eine heftige Euro-Krise?

Das endlose Ziehen ohne ein Ergebnis, sorgt für eine regelrechte Verunsicherung in der Euro-Zone. Die EZB geht nun sogar soweit, dass der Brexit mitverantwortlich für die angeschlagene Euro Zone ist. Laut dem EZB-Präsidenten ist die Lage in Europa derzeit weit von einem Normalstatus entfernt.

 

Jeder kann vom Brexit betroffen sein

Viele Bundesbürger stellen sich die Frage, ob auch sie von einem harten Brexit betroffen wären. Ein Austritt ohne eine vertragliche Vereinbarung ist immer noch ein gängiges Szenario. Es gab schon viele mögliche Auswirkungen, die auch indirekt jeden einzelnen EU-Bürger treffen könnten.

Tatsächlich gibt es aber auch hier da direkte Beispiele. Wenn Sie ein Bankkonto in Großbritannien haben sollten, könnten Sie bei einem ungeordneten Austritt direkt betroffen sein. So unwahrscheinlich ist das gar nicht einmal. Viele Anbieter von Prepaid-Kreditkarten sitzen auf der Insel. Ein harter Brexit würde bedeuten, dass Sie zunächst nicht an ihr Geld kommen.

Schleichende Auswirkungen gibt es aber bereits seit einiger Zeit. So erklärte die Europäische Zentralbank (EZB), dass sie unter Umständen Sofortmaßnahmen ergreifen wolle, um die weiter wachsenden Unsicherheiten in Zusammenhang mit dem Brexit entgegenzuwirken. Die Zinssätze sollen damit zunächst bis zum kommenden Jahr (Halbjahr 2020) auf Rekordtief gehalten werden.

Dabei wurde auch erörtert, dass man im Zweifelsfalle wieder die Zahlungen an Banken aufnehmen wolle, um die verunsicherte Wirtschaft anzukurbeln. Mario Draghi (EZB-Präsident) erklärte, er wolle im Falle negativer Entwicklungen in Zusammenhang mit dem Brexit handeln. Hinzu kommen die schwellenden Unsicherheiten mit den USA und den unterschiedlichsten Handelskriegen, die nicht nur die Wirtschaft in der EU verunsicherten.

Allerdings wurden auch kritische Stimmen zu dem Statement der EZB hörbar. Die Zinssätze liegen ja bereits bei 0 Prozent. Die Optionen für eine Belebung sind damit deutlich begrenzt.

 

Wirtschaftsprognosen revidiert

Die EZB hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum auf 1,2 Prozent gesenkt. Für 2020 als auch 2021 wurde es auf 1,4 Prozent gesenkt. Gleichzeitig wurden die Inflationszahlen angepasst. In diesem Jahr um die 1,3 Prozent. Im nächsten Jahr um 1,4 und 2021 um 1,6 Prozent in der Steigung.