Der Siegeszug der europäischen Währung

Mitte der 1940er Jahre endete in Europa der Zweite Weltkrieg. Der blutigste Krieg der Menschheitsgeschichte brachte Unheil über alle Länder des europäischen Kontinents. Tiefe Gräben der Ablehnung zogen sich durch die politische Landschaft und der Bevölkerung. Mit dem Wissen um diese Geschichte ist es umso erstaunlicher, dass keine zwei Jahrzehnte später erstmals die Idee einer gemeinsamen Währung in Europa ernsthaft diskutiert wurde.

Ende der 60er Jahre wurde die Idee zum Euro geboren, 30 Jahre später wurde die neue Währung in vielen Staaten der EU eingeführt. Es ist ein Paradebeispiel für das friedliche Zusammenleben verschiedener Völker und ein Garant für Frieden in Europa.

 

Eine Währung für 320 Millionen

Der Einkauf an der Supermarktkasse, die Zeitung am Kiosk, die Rechnung für den seriösen Notdienst – wie selbstverständlich werden diese Leistungen im 21. Jahrhundert mit dem Euro bezahlt. In Europa ist die erste Generation erwachsen geworden, die mit dem Euro als gemeinsame Währung aufgewachsen ist. Die Deutsche Mark – ein halbes Jahrhundert die Währung in Deutschland – kennt diese Generation nicht mehr.

Am 01. Januar 2002 wurde der Euro in Deutschland und elf weiteren Mitgliedsstaaten der Europäischen Union eingeführt. Von diesem Tag an teilten mehr als 320 Millionen Menschen auf dem europäischen Kontinent erstmals eine gemeinsame Währung. Der Weg dorthin war steinig, die Einführung drohte mehrfach zu platzen.

 

Von der Idee zur Einführung

Nachdem Ende der 60er Jahre erstmals Pläne für eine gemeinsame Währung laut wurden, nahm die Idee einer neuen Währung Anfang der 1970er Jahre Fahrt auf. Unter der Führung des damaligen Ministerpräsidenten von Luxemburg, Pierre Werner, erstellte eine Expertenkommission einen Fahrplan für die Einführung – der oft zitierte Werner-Plan.

Der Plan sah die Schaffung einer schrittweisen Wirtschafts- und Währungsunion vor, die bis 1980 dazu führen sollte, den Weg für den Euro freizumachen. Dieser Fahrplan war jedoch nicht einzuhalten. Es waren vor allem internationale Krisen und wirtschaftliche Probleme, die keine Einführung einer Gemeinschaftswährung zuließen.

 

Maastricht legt den Grundstein

Jahrelang lagen die Pläne für den Euro brach, das Ziel einer gemeinschaftlichen Währung wurde jedoch nicht aus den Augen verloren. 1988 wurde die Idee wieder aufgegriffen und 1992 schriftlich fixiert. Der Vertrag von Maastricht bereitete den Weg für die Einführung des Euros vor. Die einzelnen Länder verpflichteten sich, finanzielle und politische Maßnahmen zur Einführung einer neuen Währung zu schaffen.

Geplant war die neue Gemeinschafswährung zum 1. Januar 1999. Dieser Plan konnte dieses Mal auch tatsächlich eingehalten werden. Anfang des Jahres wurden die wichtigen Börsen in Paris, Mailand und Frankfurt auf den Euro umgestellt, Überweisungen konnten bereits in der neuen Währung getätigt werden.

 

Der Euro kommt

Drei Jahre nach den Börsen durften auch die Bewohner der teilnehmenden Mitgliedsstaaten mit dem Euro handeln. Der Name der neuen Währung – Euro – war übrigens erst Mitte der 1990er Jahre gefunden. Mehrere Namen standen zur Auswahl. Es war der Europäische Rat, der sich für den Namen entschieden hat. Wäre die Entscheidung anders ausgefallen, würden mehr als 335 Millionen Menschen in derzeit 19 Mitgliedsstaaten heute mit einer anderen Währung zahlen. Zur Auswahl standen damals nämlich auch die Bezeichnungen Europäischer Franken, Europäische Krone und Europäischer Gulden.

Der Euro hat seither einen Siegeszug hingelegt. 12 Staaten führten die Währung 2002 ein, sieben weitere Staaten erfüllten bis 2018 die Voraussetzung und in der Zukunft könnten weitere Mitgliedsländern den Euro als neue Währung einführen.